Corona, Bridge und BBO

Als ich mich am 10. März nach der Ethikkommissionssitzung mit Marina und Karl auf einen Kaffee und zur Vernichtung der Reste einer selbstgemachten Punschtorte getroffen habe, war das Thema „Shut-Down“ und „mit dem Bridge wird das in nächster Zeit wohl nix“ eines der Hauptthemen. Und schon da war mir klar: „Ich werde versuchen die Clubmitglieder des BC-W4 für BBO zu interessieren.“ Bis zu dem Zeitpunkt war ich mit dem Versuch ja ausschließlich bei Helga U. erfolgreich, die – nach anfänglichem Zögern und Bedenken, ob sie das hinbekommt – dann doch sehr angetan von unseren oft stundenlangen Lizitsessions war. Mit mir ein Turnier zu spielen, stieß damals aber doch noch auf sehr große Skepsis. Nichtsdestotrotz: Helga war das Exempel, das mir gezeigt hat: „Es geht“.

So habe ich dann nach kurzer Rücksprache mit unserer Frau Präsidentin an BBO geschrieben und im Namen des BC-W4 um die Erlaubnis angefragt, Turniere anlegen zu dürfen. Diese wurde mir am Freitag den 13. dann auch gewährt. Zum Glück gab es die WhatsApp Gruppe und so waren die Mitglieder über die neue Option leicht zu informieren. Keine Minute später kam der erste Anruf mit der Bitte zu erklären, was denn da wie zu tun sei. Also habe ich flott ein paar „Instruktionen“ getippt und siehe da nur kurz darauf waren schon etliche in BBO angemeldet, haben sogar privat einen Tisch zum Spielen eröffnet und sich so langsam an die neue Umgebung gewöhnt.

Natürlich: auf BBO spielen ist anders als im Club. Nicht nur, dass man seine Gebote selbst alertiert und erklärt. Das für viele wirklich seltsame war/ist, alleine am PC oder Laptop zu sitzen und zuzusehen, wie sich die Karten am Bildschirm hin und her bewegen und was die anderen da so lizitieren. Die netten Begegnungen und Plaudereien vor, während und nach dem Turnier fallen weitgehend weg. Nur die wirklich PC Erfahrenen unter uns schaffen es zu spielen und nebenbei auch noch via BBO Chat zu blödeln.

Zu behaupten der soziale Aspekt des Bridge wäre durch BBO ganz verloren gegangen, stimmt aber auch nicht. Ich hatte in den letzten Jahren noch nie so viel Kontakt zu den Mitgliedern des BC-W4 wie in den letzten Monaten. Seien es Telefonate oder Postings in der eigenen BBO BC-W4 WhatsApp Gruppe. Die Kommunikation rund ums Bridge ist durchaus im Gange. Dazu kommt, dass mit BBO die ganze Welt etwas enger zusammenrückt. Oder sagen wir: zumindest Österreich. So spielen die Spieler*innen des BC-W4 (recht erfolgreich) bei den ebenfalls von mir angelegten, aber von Michael Ströher geleiteten, Turnieren des Bridge Clubs Klagenfurt mit. Und auch das eine oder andere Paar des BCK hat schon an unseren Hausturnieren teilgenommen.

Einige Paare haben auch begonnen ihre Partien nach dem Spielen zu besprechen und zu schauen, was wie wo und warum gut oder nicht so gut geklappt hat. Die Möglichkeit, sich genau anzusehen, was man selbst und die anderen lizitiert haben und wie gespielt wurde, ist ein Feature, das doch einige zu schätzen gelernt haben (und wahrscheinlich hin und wieder vermissen werden, wenn man im Club die handgemischten Boards spielt). Mir wurde auch zugetragen, dass es durchaus angenehm ist, sich nach einem Tag z.B. im Garten, nur schnell zu duschen um sich dann „ungestylt“ vor den PC/Laptop oder das Tablet zu knotzen und ein wenig Bridge zu spielen. Bridge auf BBO hat sicherlich das Spiel an sich mehr ins Zentrum gerückt.

Viele haben sich in den letzten Monaten bei mir bedankt, weil ich die Möglichkeit geschaffen hätte, online Bridge zu spielen. Da freut mich zwar sehr, ist aber nicht wirklich richtig. Die Möglichkeit online zu spielen hat BBO geschaffen. Ich habe nur sehr schnell reagiert und euch den Weg dorthin gezeigt. Ich danke allen, die mir gefolgt sind. Ich freue mich, dass ich mit euch Hausturniere in einem positiven und angenehmen Klima spielen kann. Bridge mit dem BC-W4 ist für mich jetzt nicht nur eine besondere Gelegenheit 3-5 -mal im Jahr sondern ein Vergnügen geworden, dem ich mehrmals die Woche nachgehen kann. Und ob ihr es glaubt oder nicht, aber das Anlegen von Turnieren und deren Betreuung ist vom Zeitaufwand wirklich nicht der Rede wert. Da haben diejenigen, die das bei den Hausturnieren händisch eingeben müssen, weitaus mehr Arbeit als ich.

In diesem Sinne wünsche ich mir, dass wir die Corona Einschränkungen bald hinter uns haben und uns wieder real in den Clubs treffen können, aber auch das eine oder andere BBO BC-W4 Turnier, das mir auch weiterhin die Möglichkeit bietet, mit und gegen euch Bridge zu spielen.

 

Liebe Grüße aus Aggstein

 

Michi